Dr. Timothy F. Allen, M.D. (1837 - 1902)
Timothy Field Allen wurde in Westminster, Vermont, geboren. Er wurde am Amherst College erzogen und erhielt seinen medizinischen Rang von der Universität von New York.
Nachdem er in den Sezessionskriegen als Chirurg gearbeitet hatte, kehrte er nach New York zurück und tat sich mit Dr. Carroll Dunham zusammen. In Brooklyn studierte er dann gemeinsam mit Dr. P.P. Wells Homöopathie. 1871 wurde Dr. Allen zum Professor für Materia Medica am "New York Homoeopathic Medical College" berufen. Von 1882 - 1893 war er Präsident dieser Institution. Er erhielt von Roswell P. Flower einen Zuschuß von $500,000, mit dem ein Erweiterungsbau des College realisiert werden konnte. Dieser Neubau wurde später das "Flower Fifth Avenue Hospital".
In seiner Zeit als Professor und Chirurg am New York Ophthalmic Hospital erfolgte unter seiner Verantwortung die Umwandlung dieses Krankenhauses in eine homöopathische Einrichtung. Er war Direktor eines "Homoeopathic Insane Asylum" in Middletown, New York; dort wurde Forschung betrieben mit dem Ziel, Geisteskrankheiten mit Homöopathie zu heilen. Dr. Allen erarbeitete über einen Zeitraum von 10 Jahren die "Encyclopedia of Pure Materia Medica". Dieses Werk war eine umfassende Zusammenstellung aller homöopathischen Arzneimittelprüfungen bis zu diesem Zeitpunkt.
Die einzelnen Bände wurden zwischen 1874 und 1879 veröffentlicht: Band 1 (Abies to Atropin), 1874; Band 2 (Aurum to Carduus), 1875; Band 3 (Carlsbad to Cubeba), 1876; Bände 7 (Nicotinum to Plumbago) und 8 (Plumbum to Serpentaria), 1878; Bände 9 (Silica to Thuja) und 10 (Tilia to Zizia), 1879. Constantine Hering, Carroll Dunham, Adolph Lippe und Richard Hughes trugen alle zu diesem umfassenden Werk bei (in einem späteren 4-seitigem Ausdruck, Datum der Veröffentlichung unbekannt, nannte Allen die Zahl der Symptome, die klinisch von Dunham geprüft und bestätigt worden waren). Alle Bände wurde als Subskription angeboten. 500 Subskriptionen wurden wahrgenommen und sicherten damit die Veröffentlichung des Werkes. Zu jedem in dieser Encyclopedia aufgeführten Mittel findet man vor dem aktuellen Symptom eine Liste mit den einzelnen Prüfern, mit der von ihnen benutzen Dosierung sowie den Hinweis auf die Quelle (Veröffentlichung) des Eintrags. Andere Informationen wie z. B. der Hinweis auf versehentliche Vergiftungen sind ebenfalls aufgenommen. Der unschätzbare Wert dieser Arbeit von Allen liegt darin, dass die Symptome in der authentischen Sprache des jeweiligen Prüfers beschrieben sind. Dies schließt Verzerrungen aus wie man sie in philosophischen Repertorien wie z. B. Kents Synthesis finden kann oder wie im Complete, in dem Symptome in einzelne Untersymptome aufgespalten und spezifische Symptome verallgemeinert werden.
Hier folgt ein Auszug von dem berühmten Prüfungssymptom von Agaricus muscarius (so erlebt und beschrieben von Krachemariskov), "Er wird so zornig, dass er kaum davon abgehalten werden kann, sich seine Eingeweide herauszureißen, weil er sich einbildet, dass der Pilz dies befohlen habe". 1881 veröffentlichte Allen eine "Kritische Revision (Critical Revision)" der "Encyclopedia of Pure Materia Medica". Es war ein 16 Seiten langer Nachdruck aus dem "North American Journal of Homeopathy". Dieses kleine Werk war eine Berichtigung seines großen Werkes, umfasste aber nur die Überarbeitungen der Mittel Agaricus bis Carbo vegetalis. Dr. Allen hat zu den anderen Mitteln der Encyclopedia nichts Vergleichbares mehr veröffentlicht. Moderne Homöopathen bezeichnen die Encyclopedia von Allen als eine sehr wichtige Referenz. Dies war nicht immer so. Zur Zeit ihrer Publikation wurde in einer Besprechung des Werkes in der Dezember-Ausgabe 1879 der "Homeopathic Times" festgestellt: "Die Encyclopedia stelle Allens gigantisches und unglaublichstes Fiasko dar". Die Besprechung beschrieb diese Arbeit als "...eine Menge Müll, voll wilder Einfälle, mit Symptomen, die nach dem Zufallsprinzip aus allen Sprachräumen dieser Welt zusammengetragen wurden, aus Anstalten für Geisteskranke in diesem Land und aus Kinderzimmern, in denen glückliche Mütter sich die Symptome und Aussprüche ihrer Sprösslinge ernsthaft zu Herzen nehmen". ..."Vermischt mit all diesem Müll kann der ernsthafte Sucher möglicherweise doch wahre Edelsteine für unsere Therapeutik finden, denn sie sind darin enthalten; aber sie sind oft so unter völlig wertlosem Zeug verborgen, so dass eine spezielle Fähigkeit vorhanden sein muss, diese Perlen in dem sie umgebenden Müll zu finden." Allen übernahm wohl die Verantwortung für alle Übersetzungen aus den deutschen Originalquellen, aber bei der Überprüfung des Kapitels zu Nux vomica wurden etliche Übersetzungsfehler entdeckt. Zum Beispiel lautet die exakte Übersetzung bei Hahnemann: "Sie empfindet die vorhandenen Schmerzen als unerträglich". Allen übersetzt dies mit "die üblichen Schmerzen scheinen unerträglich zu sein". Hahnemann sagt: "Nach Mitternacht sehr heftiges Herzklopfen mit äußerster Angst welche ihn zur Selbstentleibung treibt". Allen übersetzt dies mit: "Äußerste Angst mit heftigem Herzklopfen, das ihn zum Selbstmord treibt". Der Revisor bemerkt dazu: "...wenn wir eine einfache Übersetzung eines so wichtigen Autors wie Hahnemann schon als so fehlerhaft finden, welche Zuverlässigkeit kann dann dem Werk des Herausgebers überhaupt eingeräumt werden?"
Julian Winston, der diesen Kommentar in "The Heritage of Homoeopathic Literature" veröffentlicht hat, glaubt, dass der anonyme Revisor vermutlich Egbert Guernsey, einer der Herausgeber des Journals, war. Die anderen Veröffentlichungen von Dr. Allen waren: Ophthalmic Therapeutics (1874), The Symptom Register (1880), Handbook of Materia Medica and Homeopathic Therapeutics (1889), A Primer of Materia Medica (1892), und Pocket Characteristics (1894). Zusätzlich zu seiner Hingabe an die Homöopathie war Dr. Allen ein begabter Musiker und Botaniker. Er war der Organist in einigen lokalen Kirchen. Er gehörte auch dem "Board of Directors" für die Botanischen Gärten New Yorks an. Dr. Allen widmete 40 Jahre seines Lebens der Kunst und der Wissenschaft der Homöopathie. Sein Vermächtnis wird dadurch bewahrt, dass wir weiterhin auf sein Werk und seine Arbeiten vertrauen.
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